Rossenwasser, Kois und Sauerkirschen - RNZ 15.06.2011

LGS-Förderverein führte 90 Menschen mit grünen Daumen durch „Liebevoll gestaltete Privatgärten“ – Gelungene Premiere

von Peter Lahr

Mosbach. „Zum Glück ist der Hof so groß“, stellte Herbert Sander am Freitagnachmittag erleichtert fest. Sein Garten im Gewann Michelsrot bildete die erste Station der „Führung durch liebevoll gestaltete Privatgärten in Mosbach.“ Erstmals hatte der Förderverein Landesgartenschau Mosbach zu solchen Blicken über sonst verschlossene Gartenzäune eingeladen. Die erfreuliche Resonanz – statt der erwarteten 30 kamen 90 Pflanzenfreunde – ließ die Verantwortlichen sichtlich aufblühen. „Des mache wir nächstes Jahr nochmal“, waren sich die städtische Gartenarchitektin Birgit Dallinger und Gärtnermeister Christian Thumfart einig.

„Was mich an dem Garten von Christa und Herbert Sander fasziniert, ist die fast einmalige Lage“, betonte Thumfahrt. Gemeint war nicht nur die Hanglage mit Blick auf die Dachlandschaft der Altstadt, sondern ein weiteres „Alleinstellungsmerkmal.“ Fließt hier doch der Kandel auf seinem Weg von der Michelsrotquelle zur Kopf‘schen Mühle durch. „Nicht kanalisiert und versteckelt wie so oft“, unterstrich Berthold Hergenröder, 2. Vorsitzender der Fördervereins. Vorbai an roten Purpurglöckchen, Mohn, Akelei, Rittersporn und prächtig blühenden Rosen erstiegen die Besucher den sandsteingefassten Hangweg. Bewunderten die gelungene Liasion zwischen Nutz- und Zierpflanzen. „Ganz toll, so mag ich dass“, lautete ein Kommentar, als es vorbei ging an der zentralen Brunnenanlage, über die Kandelbrücke hin zum romantischen Freisitz. „Es macht schon Arbeit, aber man hat ja Freude daran“, erklärte Christa Sander.

Der Garten stelle die Arbeit von sieben Jahren dar, wachse aber noch immer in Nuancen, ergänzt Herbert Sander. Auch das Geheimnis der farbigen Plastikröhrchen verriet Birgit Dallinger. Es handelt sich um schlichte Markierungen für Blumenzwiebeln.

„Hier blüht jede Woche des Jahres irgendetwas“, begrüßt Christian Thumfart in seinem „Reich“. Das „schnuckelige Grundstück“ sei erstens klein und zweitens herrsche hier eine „gelenkte Wildnis“. In seinem nicht einmal 100 Quadratmeter großen Garten hat Thumfart sämtliche Baumarten des deutschen Waldes versammelt. Eiche, Buche, Ahorn und Co wachsen im Bonsai-Format. „Unser Garten ist auch ein Sinnesgarten“, verwies Sigrid Thumfart auf ein weiteres Merkmal – und bewirtet die Gäste mit Rosenwasser und Johannisbeermuffins.

„Ach Gott seh‘n die Kirschen schön aus“, entfuhr es einem Gartenfreund vor den „ländlichen Familiengarten“ von Walter Schoder. Neben allerlei akkurat gepflegten Gemüsebeeten, einem Hühnergarten und „Landidylle“ gab es extravagante Parkbäume zu bewundern, etwa einen Trompetenbaum, einen Tulpenbaum, eine immergrüne Steineiche und einen Amberbaum. Vorbei am Stumpf‘schen Rosengarten – „liebevoll gepflegt, gleichwohl naturnah“ – erwartete die Spaziergänger hinter einer Buchenhecke eine Überraschung. Eine Jauchegrube mit 70 000 Litern Inhalt haben Karl Schober und sein Sohn in einen perfekten „Koigarten“ verwandelt. Meditativ plätscherte das Wasser. Majestätisch zogen Kois und Störe in dem bis zu 1,60 Meter tiefen Becken ihre Runden. Ließen kaum erahnen, wie viel Arbeit das ganze Jahr über ihre Pflege bedeutete.

Einen „schönen Erholungsgarten schufen sich Dorit und Willi Gramlich vor drei Jahren. Rosen und Lavendel dominierten die Beete. Kletterpflanzen als Sichtschutz und ein begrüntes Garagendach zeigten, wie leicht sich Naturschutz in ein Gartenkonzept integrieren lässt. Mit Kräuterquark „frisch aus dem Garten“ erwarteten Rosemarie und Meinrad Scheuermann die Gäste. „Angefangen hat es mit dem 50. Geburtstag der Hausherrin. Da schenkte ihr der Ehemann eine Kneippanlage“, erläuterte Christian Thumfart. Seitdem hat er noch eine rechteckige Kräuterspirale angelegt, die dem sehbehinderten Hausherrn die Orientierung erleichtert, sowie zwei in Gabionenbauweise konstruierte Hochbeete. Eine Beerenecke und ein grüner Elefant erfreuen zudem das Herz von Rosemarie Scheuermann. Im Namen des Fördervereins bedankte sich Bertold Hergenröder bei allen Mitwirkenden. Positives „Nebenergebnis“: Ein neues Mitglied wurde gewonnen. Zudem ergab eine spontane Sammlung stolze 187 Euro für den finanziell nicht eben auf Rosen gebetteten LGS-Föderverein.

Rosenwasser, Kois und Sauerkirschen